Alles anders (1)

Wir haben den Wohnort gewechselt. Zwei Zuhause. Der Garten war das ausschlaggebende Moment. Ob es richtig war wird sich weisen. Niemand hat Erfahrung mit der Situation. Alle agieren in Wahrscheinlichkeiten und nach besten Kräften.

Das Tochterkind geht seit Montag nicht mehr in die Schule. Ursprünglich sollt die Schule erst am Dienstag schließen, aber dann erreichte uns am Sonntag Abend die Nachricht, dass ein Coronaverdachtsfall in der Schule vorliegt. Homeschooling.

Ich habe am Montag den Großeltern mit Lebensmittel beliefert. Beide sollen nicht mehr einkaufen gehen. Meine Mutter mit frischen Produkten und Gardinenwaschmittel. Meine Mutter strukturiert das Putzen, dann ist das so. Opa Hans isst Fertiggerichte. Er betreibt keine wirkliche Vorratshaltung und so benötigte er tatsächlich Klopapier, was ich ihm aber nicht mitbringen konnten, weil irgendwelche Menschen das horten. Er nahms gelassen und sagt nur, er kennt das schon aus einer anderen Zeit, da war das auch ein lösbares Problem. Ich finde die Franzosen ja sympathischer, die Rotwein und Kondome horten oder die Holländer die sich Haschvorräte anlegen. Ach ja und ich habe auch noch nie einen Drucker beim Lebensmittelhändler gekauft. Homeschooling muss ausgedruckt werden.

Ich arbeite seit Dienstag nur noch im HomeOffice. Bislang habe ich das nur Mittwochs gemacht. Jetzt täglich. Ich bin überrascht, ich vermisse es die Stimmung am Arbeitsplatz zu spüren: wer ist mit wem sauer, wer ist im Streß, wer rennt gutgelaunt durch das Haus. Das alles fehlt. Ansonsten ist das Arbeiten auch hier im Landhaus problemfrei. Der Tisch steht eben nicht in einem separaten Zimmer wie in der Stadtwohnung, sondern im Schlafzimmer. Abends räume ich alles aus dem Raum Ein Schlafzimmer ist ein Schlafzimmer.

Der Lieblingskoch ist zuhause und so habe ich das Privileg bekocht zu werden, außerdem unterstützt er das Tochterkind im Homeschooling und schmeißt den Haushalt. Heute gab es die ersten Tränen, die Matheaufgabe lief komplett schief. Ansonsten macht sie das prima. Um 8:00 Uhr starten wir unseren Tag am Schreibtisch.

Es ist ein seltsames Leben. Ja und ich bin angsterfüllt. Wer sollte das nicht sein in diesen Zeiten.

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